Mit dem Motorrad zur Ostsee
Mein Chef rief mich zu sich. "So Mädel. Der Termin für unsere Motorradtour steht. In einer Woche geht es los. Wollen wir doch mal sehen, was unsere Harley-Fahrer so drauf haben. Wenn die meine Ducati sehen, werden sie sicherlich ablästern." Na schauen wir mal … Die Route hatten wir schon festgelegt. Es sollte mit Zwischenstopps über die Landstraßen Schleswig-Holsteins gehen. Diese Tour war ein "Must" im Unternehmen. Alle namhaften Verleger, wenn sie denn in dem Alter waren, beteiligten sich, denn es war gleichzeitig auch immer ein Highlight.
Nach Niendorf/Ostsee sollte es gehen. Dort war das Ziel und hier hatten wir eine Halle einer kleinen Schiffswerft gemietet. Aufgrund der Jahreszeit sollte gegrillt werden. Mein Mann und ich sollten mit unserer alten Dame, der Honda, mitfahren. Freitag Nachmittag ging es los. Alle waren pünktlich. Wir besprachen kurz die Etappen sowie Haltepunkte. Die Gruppe bestand immerhin aus 20 Fahrern, die nun mehr oder weniger geschickt auf ihre Maschinen kletterten und die Motoren anwarfen.
Nachdem wir Hamburg verlassen hatten, ging es auf der B75 in Richtung Wasser. Mein Chef machte natürlich auf seiner Ducati wieder den Clown. Ging unnötig in Schräglage, überholte die anderen Teilnehmer gewagt, versuchte sich im freihändig fahren, na ja, wie immer. Dabei war aufgrund der Strecke, die nicht ganz ohne Schlaglöcher war, Vorsicht angesagt. "Hey, Du bist hier nicht bei der Moto GP, gleich liegst Du lang," brüllte einer der anderen Biker. Das nächste Schlagloch, mein Mann wich ihm aus, mein Chef leider nicht … und schon schleuderten eine Ducati und 120 kg Lebendgewicht meines Chefs über die Straße. Die Straße hat keine Leitplanken, sodass das Motorrad im Graben landete. Mein Chef "stoppte" am Grasrand der Böschung. Oh je, das war‘s dann wohl. Er hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den rechten Arm, auf den er gefallen war.
Alle Fahrer hatten inzwischen angehalten, waren abgestiegen und eilten zu dem Verunfallten. "Mensch Fritz, Dein Salto war FMX reif. Das war absoluter Freestyle!" Der Arm schien angeknackst, gottseidank nicht gebrochen. Ein über Handy gerufener Krankenwagen war schnell da. Der ADAC nahm sich des Motorrades an. Und wir? Nach dem ersten Schrecken beratschlagten wir, was wir tun. Da bereits drei Viertel der Strecke hinter uns lagen, beschlossen wir, nach Niendorf zu fahren. Der Grillmeister, den wir bestellt hatten, wartete bereits.
Mein Chef kam dann nach zwei Stunden mit dem Taxi nach, den Arm in Gips aber nicht gebrochen. Es wurde noch ein schöner Biker Abend, mit Blues live von der Mundharmonika, guten Gesprächen und einem hoffentlich etwas nachdenklichem Chef.
Autor: Miriam A./ Hamburg
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